Abgeschlossene Projekte



Dissertation am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin
(Gutachter: Prof. Dr. Michael Wildt/Berlin, Prof. Dr. Kiran Patel/Maastricht, Prof. Dr. Sigrid Jacobeit/Berlin)


Ordnung und Inferno
Das KZ-System im letzten Kriegsjahr

Die Konzentrationslager gehören mittlerweile zu den am besten untersuchten Themen des Nationalsozialismus. Trotzdem erhielt die Zeit zwischen März 1944 und Mai 1945 von der KZ-Forschung nur geringe Beachtung und wurde vorrangig unter dem Blickwinkel der Räumung und der Todesmärsche betrachtet. Desorganisation, Chaos und Willkür schienen die Schlussphase zu dominieren. Am Beginn dieser Periode stand allerdings eine umfassende zentrale Neuordnung des KZ-Systems. Merkmale der letzten Kriegsmonate waren neben der Explosion des Lagergefüges vor allem organisierte Massentötungen mittels Vergasungen, Erschießungen und Vergiftungen sowie die Vernichtung durch Unterlassung. Bis zu 50 % der am 15. Januar 1945 registrierten 714.000 Häftlinge überlebten die Befreiung der Lager nicht. Mindestens 45.000 Menschen kamen während dieser Zeit allein in Mauthausen ums Leben; in anderen KZ erreichte die Todesrate ebenfalls den Höchststand in der Lagergeschichte. Wie viele der Toten Opfer gezielter Tötungsmaßnahmen wurden, ist bis heute nicht geklärt.

Als Synonym für die planmäßige Vernichtung von Menschen im Rahmen des Systems nationalsozialistischer Konzentrationslager steht Auschwitz-Birkenau. Weitere Mordstätten in Polen, dazu gehören das KZ Lublin-Majdanek sowie die Lager der ›Aktion Reinhardt‹, nehmen ebenfalls einen zentralen Platz im kollektiven Gedächtnis ein. Der Massenmord nach der Evakuierung der Ostlager – eine Ausnahme bilden die Todesmärsche – blieb von der öffentlichen und wissenschaftlichen Kontroverse aber bislang weitgehend unberücksichtigt. Angesichts des nahenden Zusammenbruchs überrascht jedoch geradezu der eskalierende Anstieg der Vernichtungskraft im letzten Kriegshalbjahr. Hauptsächlich in den vier Lagern Mauthausen, Ravensbrück, Sachsenhausen und Stutthof startete die SS in dieser Phase ausgedehnte Tötungsaktionen. Hieraus resultieren folgende Fragen, denen diese Arbeit nachgehen wird: Wie erklärt sich die Auswahl dieser Lager? In welchen Etappen fanden die Tötungsaktionen statt? Ist eine Zielgerichtetheit der Vernichtungsmaßnahmen auszumachen; existierte gewissermaßen ein >Masterplan< in Form einer linearen Fortsetzung des Völkermords? Es stellt sich prinzipiell das Problem der intentionalen und funktionalen Beschaffenheit der Massentötungen. Die Organisation der Vernichtung in den Jahren 1944/45 und ihre Akteure sind hierbei von herausragendem Interesse, da sie Rückschlüsse auf die bisher bloß rudimentär eruierten Gesamtzusammenhänge der Lagersystematik in dieser Zeit erlauben. Zudem besitzt die Schlussphase mit ihren gravierenden Extremen zwischen Häftlingsentlassung und Vernichtung eine Schlüsselbedeutung für die Charakterisierung des gesamten KZ-Systems, obgleich sie bislang nicht als autonome Periode der KZ-Geschichte erforscht wurde.

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Forschungsprojekt am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin
(gemeinsame Leitung mit Prof. Dr. Sigrid Jacobeit)


Lichtenburg
Ein deutsches Konzentrationslager

Lichtenburg war das erste deutsche Konzentrationslager, das der Erprobung der Dachauer Lagerordnung nach Dachau selbst unterzogen wurde. SS-Brigadeführer Theodor Eicke überwachte und dirigierte diesen Prozess persönlich. Die überregionale Ausweitung der Lager- und Strafordnung führte letztlich zur Ernennung Eickes zum Inspekteur der Konzentrationslager und zur Einrichtung der gleichnamigen Behörde. Die Konzentrationslager Dachau und Lichtenburg markierten eine Zäsur, die in die reichsweite Etablierung eines einheitlichen Systems der Konzentrationslager überleitete. Beide Lager waren die einzigen frühen Konzentrationslager, die die Reorganisation des KZ-Systems 1936/37 überdauerten.

Die Doppelrolle eines sowohl monolateral geführten Frauen- als auch Männerlagers ist einmalig in der Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Beide Lagertypen dienten als Scharnier zu den späteren Baracken- und Musterlagern Sachsenhausen (1936), Buchenwald (1937) und Ravensbrück (1939). Das Frauen-Konzentrationslager Lichtenburg war zudem das erste seiner Art und diente als zentrale Schutzhaftstätte für das Deutsche Reich von 1937 bis 1939.

Zahlreiche Offiziere der SS-Totenkopfverbände absolvierten ihre Schulungs- und Bewährungszeit in Lichtenburg. Das Lager fungierte somit als wichtige überregionale Ausbildungsstätte für Lager- und Wachtruppführer, die in den neu zu gründenden und europaweit geführten Konzentrationslagern zum Einsatz kamen. Als SS-Führer versahen unter anderem bereits in Lichtenburg ihren Dienst: Hermann Baranowski (Sachsenhausen), Adam Grünewald (Herzogenbusch), Hans Helwig (Sachsenhausen), Paul Werner Hoppe (Stutthof), Hans Hüttig (Natzweiler, Herzogenbusch), Karl Otto Koch (Columbia, Esterwegen, Sachsenhausen, Buchenwald, Majdanek), Max Koegel (Ravensbrück, Majdanek, Flossenbürg), Arthur Liebehenschel (Auschwitz I, Majdanek), Alex Piorkowski (Dachau), Arthur Rödl (Groß-Rosen), Egon Zill (Hinzert, Natzweiler, Flossenbürg).

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Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
(wissenschaftliche Mitarbeit)


Ausgrenzungsprozesse und Überlebensstrategien
Mittlere und kleine jüdische Gewerbe-Unternehmen in Berlin 1930/31 bis 1940

Das Forschungsvorhaben verfolgt ein dokumentarisches und ein analytisches Ziel. Zunächst sollen die Zahl der jüdischen Unternehmen in Berlin vor der "Machtübernahme" der Nationalsozialisten ermittelt und die Grunddaten mittlerer und kleiner jüdischer Unternehmen in Berlin erfasst werden: Wo waren diese ansässig, und welcher Branche gehörten sie an? Wann wurden sie liquidiert oder von Nicht-Juden übernommen? Auf der Grundlage dieser Erhebung soll im nächsten Schritt eine Studie erstellt werden, die diese Daten anhand der Leitbegriffe "Ausgrenzungsprozesse" und "Überlebensstrategien" wirtschafts- und gesellschaftsgeschichtlich interpretiert: Welchen Veränderungen unterlagen die jüdischen Unternehmen? Können die Veränderungen als Strategie gelesen werden, sich gegen die Verfolgung zu behaupten? Welche Strategien waren wie lange erfolgreich? Wie gestaltete sich der öffentliche Terror durch Parteigliederungen der NSDAP wie SA und SS?

Das von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur finanzierte Projekt wurde im November 2005 begonnen. Ausgehend von einer Gesamtaufnahme aller veröffentlichten Veränderungen des Berliner Handelsregisters konnten bislang (Stand August 2009) rund 7.500 jüdische Unternehmen identifiziert und in ihren Grunddaten rekonstruiert werden. Die Erfassung wird Ende des Jahres 2009, das Projekt Ende 2010 abgeschlossen.

In Zusammenarbeit mit dem Verein Aktives Museum e. V. [www.aktives-museum.de] wurde zudem die Ausstellung „Verraten & Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945“ vorbereitet und mit großem Erfolg im Foyer des Hauptgebäudes der Universität sowie im Landesarchiv Berlin gezeigt. Die Wanderausstellung wird zwischen dem 15. Oktober und 15. Dezember 2009 in der Wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (Spandauer Str. 1) zu sehen sein. Die Katalogbroschüre kann beim Aktiven Museum bestellt werden

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